Ökologische Langzeitforschung (LTER) in Österreich

Den Ausgangspunkt für die Entwicklung der ökologischen Langzeitforschung (LTER) in Österreich bildete eine bundesweite Recherche des Österreichischen Netzwerks für Umweltforschung (ÖNUF) zu Projekten und Einrichtungen der Ökosystemforschung. Diese führte 2002 zur Gründung der Österreichischen Gesellschaft für ökologische Langzeitforschung (LTER-Austria). LTER-Austria und das Umweltbundesamt brachten Österreich mit Unterstützung des BMBWF in den internationalen LTER Prozess ein (ILTER, LTER-Europe, ALTER-Net). Beim USA-EU-Workshop zu LTER im Jahr 2003 wurde das österreichische Konzept für Forschungsplattformen (LTSER Platforms) erstmals präsentiert und sehr positiv bewertet.

National galt es, einen breiten Konsens über dieses Konzept und die räumliche Konzentration der österreichischen LTER Aktivitäten herzustellen.

Forschungsplattformen (LTSER Plattformen) in Österreich

© Umweltbundesamt

Auf Basis eines Kriterienkatalogs wurden in diesem Prozess drei Forschungsplattformen für Österreich vorgeschlagen, welche bedeutende naturräumliche Einheiten repräsentieren: die österreichischen Hochalpen, die österreichischen Voralpen inklusive des Alpenvorlandes und den pannonischen Osten Österreichs.

Derzeit werden zwei dieser vorgeschlagenen Forschungsplattformen umgesetzt: einerseits die "LTSER Plattform Eisenwurzen" im Bereich der Nördlichen Kalkalpen (OÖ, NÖ und Stmk) und andererseits die "LTSER Plattform Tyrolean Alps" im Bereich der Ötztaler und Stubaier Alpen.

Seit 2004 wurden laufend Trägerinstitutionen und Forschungspartner in die Forschungsplattformen integriert, ein "Memorandum of Understanding" entwickelt, Forschungsprojekte unterstützt und das österreichische Netzwerk in die internationalen Entwicklungen eingebracht. Meilensteine in diesem Prozess waren:

  • Nationaler LTER Workshop in Gumpenstein vom 28. - 29.1.2004
  • Erfolgreicher Antrag um Aufnahme in das globale LTER Netzwerk "ILTER" am 7.7.2004
  • Nationaler LTER Workshop in Obergurgl vom 28. - 29.10.2004
  • Workshops der Forschungsplattform Eisenwurzen am 25.11.2004, 14.9.2005, 13./14.6.2006 und 28.2.2007

Bei der Implementierung von Forschungsplattformen hat Österreich im internationalen Vergleich noch einigen Vorsprung: Erstens findet das Konzept national relativ breite Akzeptanz; zweitens hat eine Standortswahl in einem relativ fließenden Prozess stattgefunden; drittens besteht ein grundsätzliches Einverständnis der betroffenen Einrichtungen zur Kooperation, und viertens setzte und setzt die österreichische Forschungsförderung durch moderne und hoch integrative Konzepte entsprechende Impulse (z. B. proVision, ÖAW Earth System Sciences).

Wesentliche Resultate des österreichischen LTER Prozesses

  • Außenwirkung: LTER-Austria konnte als "Marke" etabliert werden. Der gewählte strategische Ansatz gilt in Ländern wie Deutschland, Italien, Spanien, Finnland, Belgien und Brasilien als Musterbeispiel.
  • Etablierung einer Modellregion. Die Forschungsplattform Eisenwurzen wird als Musterregion für ein in Entwicklung befindliches europäisches Netz von Forschungsplattformen herangezogen. Damit ist die Fokussierung von internationalen Forschungsprojekten auf die Eisenwurzen samt wissenschaftlichem Mehrwert und entsprechendem Rücklauf von Forschungsmitteln zu erwarten.
  • In LTER-Europe hat Österreich seit 2007 den Vorsitz inne.
  • Im globalen LTER Netzwerk repräsentiert Österreich seit 2005 Westeuropa, von 2014 bis 2019 wurde ein Österreicher zum Chairman gewählt.
  • In ALTER-Net wurden zwei von insgesamt 12 Workpackages von Österreich geleitet. In einem dritten Workpackage hatte Österreich die stellvertretende Leitung.

Die wesentlichen Akteure von LTER in Österreich sind das BMBWF, der Verein LTER-Austria mit den Sektionen Tyrolean Alps und Eisenwurzen, das Umweltbundesamt sowie Universitäten und andere Forschungseinrichtungen.